Neue Perspektiven für junge Menschen

Mit fort­schrei­ten­der Imp­fung der erwach­se­nen Bevöl­ke­rung sind Kin­der und Jugend­li­che mehr und mehr in das Zen­trum des Pan­de­mie­ge­sche­hens gerückt und müs­sen auch des­halb im Mit­tel­punkt zukünf­ti­ger Maß­nah­men ste­hen. Ziel die­ser Maß­nah­men soll­te es sein, Kin­der­rech­te und ins­be­son­de­re das Recht auf Bil­dung und Teil­ha­be von Kin­dern und Jugend­li­chen mög­lichst umfas­send zu ver­wirk­li­chen und zugleich die Gefahr der Anste­ckung für die­se Grup­pe sowie alle wei­te­ren unmit­tel­bar und mit­tel­bar betei­lig­ten Per­so­nen, ins­be­son­de­re Fami­li­en­mit­glie­der mög­lichst gering zu halten. 

Die voll­stän­di­ge Stel­lung­nah­me fin­den Sie fol­gend zum Herunterladen: 

Menschen mit Behinderungen in der Corona-Pandemie stärker unterstützen

Die Bedürf­nis­se und Inter­es­sen von Men­schen mit Beein­träch­ti­gun­gen wer­den bei den Maß­nah­men zur Bekämp­fung der Coro­na-Pan­de­mie nicht aus­rei­chend wahr­ge­nom­men. Das stellt die Initia­ti­ve Nie­der­säch­si­scher Ethik­rat (INE) in ihrer heu­ti­gen Stel­lung­nah­me fest. Sie for­dert eine deut­li­che­re Dif­fe­ren­zie­rung unter den betrof­fe­nen Men­schen und vor allem deren stär­ke­re Par­ti­zi­pa­ti­on bei zukünf­ti­gen Corona-Maßnahmen.


Pro­ble­ma­tisch sei es zum Bei­spiel, wenn allein Ort und Art der Unter­brin­gung als Unter­schei­dungs­kri­te­ri­um ange­führt wer­den, um über die Siche­rung des pas­si­ven und akti­ven Schut­zes zu bestim­men. Per­so­nen mit Beein­träch­ti­gun­gen, die allein woh­nen oder sich in ambu­lan­ten Set­tings fin­den, wür­den dadurch schon aus struk­tu­rel­len Grün­den weni­ger bedacht. Das­sel­be gel­te für Eltern von beein­träch­tig­ten Ange­hö­ri­gen, die teil­wei­se mit spür­ba­ren mate­ri­el­len Fol­gen die eige­ne Berufs­tä­tig­keit ein­schrän­ken müss­ten, um ihre ins Haus gewie­se­nen Kin­der zu betreu­en bzw. sie kei­nem erhöh­ten Risi­ko auszusetzen.


„Die­ses undif­fe­ren­zier­te Vor­ge­hen weist dar­auf hin, wie wenig belast­bar die bis­her erziel­ten Erfol­ge im Umgang mit Men­schen mit Beein­träch­ti­gun­gen sind.“, so die INE in ihrer Stel­lung­nah­me. Die INE bemän­gelt zudem, dass sich Men­schen mit Beein­träch­ti­gun­gen im öffent­li­chen Pan­de­mie­dis­kurs als nicht gese­hen und nicht geach­tet erle­ben. Sie regt dazu an, bei der Lan­des­be­auf­trag­ten für Men­schen mit Behin­de­run­gen die Mög­lich­kei­ten zu ver­bes­sern, damit Betrof­fe­ne wirk­sam ihre Anlie­gen vor­brin­gen kön­nen. Wich­tig sei auch die bar­rie­re­freie Kom­mu­ni­ka­ti­on als Regel ein­zu­füh­ren. „Geset­ze, Anord­nun­gen, Ver­ord­nun­gen und Erlas­se, die für Men­schen mit Beein­träch­ti­gun­gen rele­vant wer­den kön­nen, soll­ten in Nie­der­sach­sen so ver­fasst sein, dass die Men­schen, die davon betrof­fen sein könn­ten, sie auch bar­rie­re­frei ver­ste­hen und sich damit aus­ein­an­der­set­zen kön­nen.“, so die INE in ihrer Stellungnahme.

Audio­ver­si­on “Nicht mehr ohne uns”

Stellungnahme zur Impfstoffverteilung im Rahmen der Coronapandemie 2020/2021

Die Impf­stra­te­gie der deut­schen Bun­des- und Lan­des­re­gie­run­gen zielt auf die frei­wil­li­ge Imp­fung aller deut­schen Staats­bür­ge­rin­nen und aller Men­schen, die sich im deut­schen Staats­ge­biet auf­hal­ten, um die Gesund­heit mög­lichst vie­ler zu schüt­zen, vor­zei­ti­ge Tode zu ver­hin­dern und ein von Kon­takt­be­schrän­kun­gen und ande­ren kri­sen­be­ding­ten Ein­schrän­kun­gen befrei­tes sozia­les Leben für alle mög­lichst schnell wie­der­auf­neh­men zu können. 

Der­zeit sind in Euro­pa zwei Impf­stof­fe zuge­las­sen, wei­te­re sind im Ver­fah­ren der Zulas­sung. Den­noch wer­den Impf­stof­fe über Wochen Man­gel­wa­re blei­ben. Die Durch­imp­fung einer Bevöl­ke­rung braucht Mona­te. Daher wur­den Prio­ri­sie­rungs­grup­pen erstellt durch die Zusam­men­ar­beit von Stän­di­ger Impf­kom­mis­si­on, Deut­schem Ethik­rat und der Natio­na­len Aka­de­mie der Wis­sen­schaf­ten Leopoldina. 

Klar ist, es wird, bedingt durch noch unzu­rei­chen­den Aus­bau der Impf­stoff­pro­duk­ti­on und Pro­duk­ti­ons­aus­fäl­len, zu Ver­zö­ge­run­gen kom­men, selbst die sog. Prio­ri­sie­rungs­grup­pe 1 (Men­schen mit beson­ders hohem Expo­si­ti­ons­ri­si­ko; Men­schen mit engem Kon­takt zu vul­nerablen Grup­pen) durch zu imp­fen. Es wird damit gerech­net, dass es min­des­tens bis Ende März dau­ern kann, die­se Grup­pe durch zu imp­fen. Es stellt sich daher die Fra­ge, wer aus der Prio­ri­sie­rungs­grup­pe 1 zuerst geimpft wer­den soll und vor allem ob alle hin­rei­chend im Vor­aus kon­tak­tiert wer­den können. 

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Besuche im Krankenhaus müssen auch in Zeiten von Corona möglich sein!

Auf­grund rasch stei­gen­der Coro­na-Infek­ti­ons­zah­len gilt in vie­len nie­der­säch­si­schen Kran­ken­häu­sern erneut ein grund­sätz­li­ches Besuchs­ver­bot. Ziel der von den Län­dern erlas­se­nen stren­gen Regeln ist es, die Anzahl der Kon­tak­te zu begren­zen und hier­durch das Risi­ko einer Infek­ti­on und schwe­ren COVID-19-Erkran­kung für alle Pati­en­tin­nen sowie für Mit­ar­bei­te­rin­nen in den Kli­ni­ken zu ver­rin­gern. Jeden Tag muss eine stei­gen­de Zahl Schwer­kran­ker qua­li­ta­tiv und mensch­lich gut medi­zi­nisch und pfle­ge­risch ver­sorgt werden.

Mit­ar­bei­ter­schutz, Ange­hö­ri­gen­schutz und Pati­en­tin­nen­schutz müs­sen stets in Ein­klang gebracht wer­den. Hier tra­gen die Füh­rungs­kräf­te in den Kran­ken­häu­sern der­zeit eine hohe Ver­ant­wor­tung. „Die Initia­ti­ve Nie­der­säch­si­scher Ethik­rat sieht mit gro­ßer Sor­ge, dass die aktu­el­len Besuchs­be­schrän­kun­gen zu einer Iso­la­ti­on der Betrof­fe­nen füh­ren“ stellt die Ärz­tin und Pal­lia­tiv­me­di­zi­ne­rin Dr. The­la Wern­s­tedt, MdL fest und führt aus, „dass die Leid­tra­gen­den ins­be­son­de­re Schwer­kran­ke und ster­ben­de Men­schen und ihre Ange­hö­ri­gen sind“. „Bei­stand für Ster­ben­de unter Wah­rung ihrer Wür­de und Ach­tung ihres Wil­lens sind Grund­la­gen ärzt­li­chen, pfle­ge­ri­schen und seel­sor­ge­ri­schen Han­delns“ ergänzt Dr. Mar­ti­na Wen­ker, Lun­gen­fach­ärz­tin und Prä­si­den­tin der Ärz­te­kam­mer Nie­der­sach­sen und for­dert „dass auch in Zei­ten von Coro­na selbst­ver­ständ­lich und über­all eine Ster­be­be­glei­tung durch nahe Ange­hö­ri­ge und ein wür­de­vol­ler Abschied von einem gelieb­ten Men­schen ermög­licht wer­den muss.“ 

Seit Beginn der Coro­na­kri­se setzt sich die Initia­ti­ve Nie­der­säch­si­scher Ethik­rat öffent­lich für die Belan­ge von Men­schen ein, deren Bedürf­nis­se in der Bewäl­ti­gung der Kri­se nicht genü­gend Berück­sich­ti­gung fin­den. Prof. Dr. Clau­dia Wie­se­mann, Direk­to­rin des Insti­tuts für Ethik und Geschich­te der Medi­zin an der Uni­ver­si­täts­me­di­zin Göt­tin­gen, bekräf­tigt das aus­drück­li­che Anrecht „beson­ders betrof­fe­ner Pati­en­tin­nen bei sta­tio­när behan­del­ten Erkran­kun­gen, sowie Men­schen am Ende ihres Lebens, des Part­ners oder der Part­ne­rin bei Geburt und Wochen­bett sowie erkrank­ter Kin­der und Jugend­li­cher auf eine inten­si­ve Beglei­tung durch Ange­hö­ri­ge – selbst­ver­ständ­lich unter den erfor­der­li­chen Hygie­ne­re­geln – auch und gera­de jetzt in Zei­ten von Corona!“

Mehr Rechte und mehr Partizipation für junge Menschen in der Corona-Krise

Die Initia­ti­ve Nie­der­säch­si­scher Ethik­rat (INE) for­dert in einer neu­en Stel­lung­nah­me vom 16. Novem­ber 2020, die Per­spek­ti­ven und Rech­te von Kin­dern, Jugend­li­chen und jun­gen Erwach­se­nen in der Coro­na-Kri­se bes­ser zu berücksichtigen.

Kin­der, Jugend­li­che und jun­ge Erwach­se­ne dürf­ten nicht nur als Teil ihrer Fami­li­en betrach­tet, son­dern müss­ten deut­li­cher als eigen­stän­di­ge Men­schen mit eige­nen Rech­ten und Bedürf­nis­sen wahr­ge­nom­men wer­den, so die INE in ihrer Stellungnahme.

„Mehr Rech­te und mehr Par­ti­zi­pa­ti­on für jun­ge Men­schen in der Coro­na-Kri­se“ weiterlesen