Stellungnahme zur Impfstoffverteilung im Rahmen der Coronapandemie 2020/2021

Die Impf­stra­te­gie der deut­schen Bun­des- und Lan­des­re­gie­run­gen zielt auf die frei­wil­li­ge Imp­fung aller deut­schen Staats­bür­ge­rin­nen und aller Men­schen, die sich im deut­schen Staats­ge­biet auf­hal­ten, um die Gesund­heit mög­lichst vie­ler zu schüt­zen, vor­zei­ti­ge Tode zu ver­hin­dern und ein von Kon­takt­be­schrän­kun­gen und ande­ren kri­sen­be­ding­ten Ein­schrän­kun­gen befrei­tes sozia­les Leben für alle mög­lichst schnell wie­der­auf­neh­men zu kön­nen.

Der­zeit sind in Euro­pa zwei Impf­stof­fe zuge­las­sen, wei­te­re sind im Ver­fah­ren der Zulas­sung. Den­noch wer­den Impf­stof­fe über Wochen Man­gel­wa­re blei­ben. Die Durch­imp­fung einer Bevöl­ke­rung braucht Mona­te. Daher wur­den Prio­ri­sie­rungs­grup­pen erstellt durch die Zusam­men­ar­beit von Stän­di­ger Impf­kom­mis­si­on, Deut­schem Ethik­rat und der Natio­na­len Aka­de­mie der Wis­sen­schaf­ten Leo­pol­di­na.

Klar ist, es wird, bedingt durch noch unzu­rei­chen­den Aus­bau der Impf­stoff­pro­duk­ti­on und Pro­duk­ti­ons­aus­fäl­len, zu Ver­zö­ge­run­gen kom­men, selbst die sog. Prio­ri­sie­rungs­grup­pe 1 (Men­schen mit beson­ders hohem Expo­si­ti­ons­ri­si­ko; Men­schen mit engem Kon­takt zu vul­nerablen Grup­pen) durch zu imp­fen. Es wird damit gerech­net, dass es min­des­tens bis Ende März dau­ern kann, die­se Grup­pe durch zu imp­fen. Es stellt sich daher die Fra­ge, wer aus der Prio­ri­sie­rungs­grup­pe 1 zuerst geimpft wer­den soll und vor allem ob alle hin­rei­chend im Vor­aus kon­tak­tiert wer­den kön­nen.

„Stel­lung­nah­me zur Impf­stoff­ver­tei­lung im Rah­men der Coro­na­pan­de­mie 2020/2021“ wei­ter­le­sen

Besuche im Krankenhaus müssen auch in Zeiten von Corona möglich sein!

Auf­grund rasch stei­gen­der Coro­na-Infek­ti­ons­zah­len gilt in vie­len nie­der­säch­si­schen Kran­ken­häu­sern erneut ein grund­sätz­li­ches Besuchs­ver­bot. Ziel der von den Län­dern erlas­se­nen stren­gen Regeln ist es, die Anzahl der Kon­tak­te zu begren­zen und hier­durch das Risi­ko einer Infek­ti­on und schwe­ren COVID-19-Erkran­kung für alle Pati­en­tin­nen sowie für Mit­ar­bei­te­rin­nen in den Kli­ni­ken zu ver­rin­gern. Jeden Tag muss eine stei­gen­de Zahl Schwer­kran­ker qua­li­ta­tiv und mensch­lich gut medi­zi­nisch und pfle­ge­risch ver­sorgt wer­den.

Mit­ar­bei­ter­schutz, Ange­hö­ri­gen­schutz und Pati­en­tin­nen­schutz müs­sen stets in Ein­klang gebracht wer­den. Hier tra­gen die Füh­rungs­kräf­te in den Kran­ken­häu­sern der­zeit eine hohe Ver­ant­wor­tung. „Die Initia­ti­ve Nie­der­säch­si­scher Ethik­rat sieht mit gro­ßer Sor­ge, dass die aktu­el­len Besuchs­be­schrän­kun­gen zu einer Iso­la­ti­on der Betrof­fe­nen füh­ren“ stellt die Ärz­tin und Pal­lia­tiv­me­di­zi­ne­rin Dr. The­la Wern­s­tedt, MdL fest und führt aus, „dass die Leid­tra­gen­den ins­be­son­de­re Schwer­kran­ke und ster­ben­de Men­schen und ihre Ange­hö­ri­gen sind“. „Bei­stand für Ster­ben­de unter Wah­rung ihrer Wür­de und Ach­tung ihres Wil­lens sind Grund­la­gen ärzt­li­chen, pfle­ge­ri­schen und seel­sor­ge­ri­schen Han­delns“ ergänzt Dr. Mar­ti­na Wen­ker, Lun­gen­fach­ärz­tin und Prä­si­den­tin der Ärz­te­kam­mer Nie­der­sach­sen und for­dert „dass auch in Zei­ten von Coro­na selbst­ver­ständ­lich und über­all eine Ster­be­be­glei­tung durch nahe Ange­hö­ri­ge und ein wür­de­vol­ler Abschied von einem gelieb­ten Men­schen ermög­licht wer­den muss.“

Seit Beginn der Coro­na­kri­se setzt sich die Initia­ti­ve Nie­der­säch­si­scher Ethik­rat öffent­lich für die Belan­ge von Men­schen ein, deren Bedürf­nis­se in der Bewäl­ti­gung der Kri­se nicht genü­gend Berück­sich­ti­gung fin­den. Prof. Dr. Clau­dia Wie­se­mann, Direk­to­rin des Insti­tuts für Ethik und Geschich­te der Medi­zin an der Uni­ver­si­täts­me­di­zin Göt­tin­gen, bekräf­tigt das aus­drück­li­che Anrecht „beson­ders betrof­fe­ner Pati­en­tin­nen bei sta­tio­när behan­del­ten Erkran­kun­gen, sowie Men­schen am Ende ihres Lebens, des Part­ners oder der Part­ne­rin bei Geburt und Wochen­bett sowie erkrank­ter Kin­der und Jugend­li­cher auf eine inten­si­ve Beglei­tung durch Ange­hö­ri­ge – selbst­ver­ständ­lich unter den erfor­der­li­chen Hygie­ne­re­geln – auch und gera­de jetzt in Zei­ten von Coro­na!“

Mehr Rechte und mehr Partizipation für junge Menschen in der Corona-Krise

Die Initia­ti­ve Nie­der­säch­si­scher Ethik­rat (INE) for­dert in einer neu­en Stel­lung­nah­me vom 16. Novem­ber 2020, die Per­spek­ti­ven und Rech­te von Kin­dern, Jugend­li­chen und jun­gen Erwach­se­nen in der Coro­na-Kri­se bes­ser zu berück­sich­ti­gen.

Kin­der, Jugend­li­che und jun­ge Erwach­se­ne dürf­ten nicht nur als Teil ihrer Fami­li­en betrach­tet, son­dern müss­ten deut­li­cher als eigen­stän­di­ge Men­schen mit eige­nen Rech­ten und Bedürf­nis­sen wahr­ge­nom­men wer­den, so die INE in ihrer Stel­lung­nah­me.

„Mehr Rech­te und mehr Par­ti­zi­pa­ti­on für jun­ge Men­schen in der Coro­na-Kri­se“ wei­ter­le­sen

Eine Pandemie ist keine Massenkarambolage – man kann sich darauf vorbereiten

Den von den Coro­na-Maß­nah­men betrof­fe­nen und ein­ge­schränk­ten Bür­ge­rin­nen und Bür­gern will die neu gegrün­de­te Initia­ti­ve Nie­der­säch­si­scher Ethik­rat (INE) Gehör ver­schaf­fen. Das elf­köp­fi­ge Gre­mi­um wird ver­tre­ten durch Ärz­te­kam­mer-Prä­si­den­tin Dr. med. Mar­ti­na Wen­ker, den Direk­tor der Aka­de­mie Loc­cum Dr. theol. Ste­phan Scha­ede und Pro­fes­sor Dr. theol. Jür­gen Mane­mann, Direk­tor des For­schungs­in­sti­tuts für Phi­lo­so­phie (fiph) in Han­no­ver.

„Eine Pan­de­mie ist kei­ne Mas­sen­ka­ram­bo­la­ge – man kann sich dar­auf vor­be­rei­ten“ wei­ter­le­sen